Bewertungskriterien

Diese Graphik zeigt die Grundlogik des Empfehlungsprozesses der Kommission.

Die Corona-Kommission nimmt ihre Empfehlungen auf Basis einer quantitativen Beschreibung der epidemiologischen Lage anhand von Indikatoren und unter Berücksichtigung rezenter Entwicklungen (Testungen, Impfungen, Virusmutanten etc.) vor. Eine detaillierte Beschreibung dazu ist dem Manual (siehe unten) zu entnehmen.

Die Indikatoren werden von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) und der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) aufbereitet, die Informationen zum Fallgeschehen beruhen vielfach auf Informationen der Mitglieder der Corona Kommission zum Beispiel über Beschaffenheit, Ansteckungsverlauf und Dynamik des Fallgeschehens. In den Besprechungen der Corona Kommission werden sowohl die quantitativen als auch die qualitativen Informationen diskutiert und bewertet und münden schlussendlich in der Empfehlung der Corona Kommission.

Die Corona-Kommission orientiert sich bei ihren Entscheidungen an der epidemiologischen Situation in den jeweiligen österreichischen Regionen, sie schätzt das Risiko auf regionaler Ebene ein und fokussiert dabei sowohl auf das Verbreitungsrisiko von COVID-19 als auch auf das Systemrisiko.

Verbreitungsrisiko

Definition: Gefährdung der öffentlichen Gesundheit durch die Verbreitung von COVID-19

Ziel: Reduktion der COVID-19-Morbidität (Erkrankungshäufigkeit), der Häufigkeit von Fällen mit schweren Verlaufsformen von COVID-19 und der COVID-19-Mortalität (Sterblichkeit) bei gleichzeitig höchstmöglichem Schutz der vulnerablen Bevölkerungsgruppen (Personen mit hohem Risiko)

Systemrisiko

Definition: Gefahr der Überlastung des Gesundheitsversorgungssystems mit COVID-19-Patientinnen und -Patienten

Ziel: Sicherstellung von ausreichenden Versorgungskapazitäten (insbesondere Betten und Personalkapazitäten auf Intensiv- und Normalstationen) zur Behandlung von COVID-19-Patientinnen und -Patienten unter Gewährleistung der Regelversorgung für die allgemeine Bevölkerung.

Methode zur Risikoeinschätzung

Initial erfolgt die Einschätzung der o.g. Risiken auf Basis der "rohen 7-Tagesinzidenz". Folgend wird die Einschätzung mittels der risiko-adjustierten 7-Tagesinzidenz auf Basis der Infektionsquelle der Fälle, des Trends der 14-Tagesinzidenz und auf Basis des Anteils an asymptomatisch positiv Getesteten spezifiziert. Zur Einschätzung des Gesamtrisikos (Verbreitungs- und systemrisiko) wird die risiko-adjustierte 7-Tagesinzidenz einer weiteren Adjustierung um die Altersstruktur und den Impfstatus der inzidenten Fälle unterzogen und in der so genannten Risikozahl ausgedrückt. Darüber hinaus wird das Systemrisiko mittels der Indikatoren Ist-Auslastung von Intensivstationen und prognostizierte Auslastung mit COVID-19 Fällen beurteilt.

Einschätzung des Verbreitungsrisikos mittels Risikoadjustierung

Zentrales Element der Risikoeinschätzung ist die Risikoadjustierung der kumulativen 7-Tagesinzidenz anhand folgender Faktoren:

1. Quellensuche

Der Indikator „Fälle mit geklärter Quelle“ zeigt die Rückverfolgbarkeit der Übertragungskette (Transmissionskette) als Ergebnis von Case und Contact Tracing. Die Infektionsquellen können im Ausland (importierter Fall, reiseassoziierter Cluster, etc.) oder im Inland (lokale Cluster) liegen. Die Fälle mit geklärter Quelle werden nach Typ der Quelle charakterisiert und gehen ebenfalls in eine Risikoadjustierung ein. Per definitionem unterscheidet man folgende Quellentypen:

  • sporadisch importierter Fall
  • reiseassoziierter Fall (inkludiert den Fall von reiseassoziierten Clustern und reiseassoziierten lokalen Clustern)
  • lokal erworbener Fall
  • durch Screening identifizierter Fall

2. Testungen

Positiv getestete Fälle werden auch nach der klinischen Manifestation der Infektion (sympto-matisch/asymptomatisch) zum Zeitpunkt der Labordiagnose charakterisiert. Durch die Identifikation und anschließende Isolation asymptomatisch Infizierter kann eine SARS-CoV-2-Verbreitung dieser Fälle außerhalb des eigenen Haushalts verhindert werden. Durch vermehrte Testungen wird die Untererfassung von Fällen („under-ascertainment“) reduziert. Dies kann kurzfristig zum Anstieg der rohen 7-Tages-Fallzahl bzw. der kumulativen 7-Tagesinzidenz beitragen. Um diesem Effekt Rechnung zu tragen, wird der Anteil an positiven Testungen von asymptomatischen Personen für die Risikoadjustierung berücksichtigt.

Die Indikatoren „Tests je 100.000 Einwohner/-innen“, „Tests der vergangenen 7 Tage“ und die Positivrate (Anteil der positiven Tests an allen Tests je Region) erlauben zusätzlich Aussagen über die Testaktivität und Teststrategie und geben Hinweise für die Wahrscheinlichkeit, den Fall einer SARS-CoV-2-Infektion zeitnah zu detektieren.

3. Trend

Um die Dynamik des Infektionsgeschehens abzubilden, wird der Trend des Infektionsgeschehens für die Risikoadjustierung berücksichtigt. Die Berechnung erfolgt nach ECDC-Methode als Verhältnis der überlappenden 14-Tages-Inzidenz.

Einschätzung des Gesamtrisikos mittels Risikozahl

Um die erwartetet Auswirkung des Verbreitungsrisikos auf das Systemrisiko zu approximieren wird in einem weiteren Berechnungsschritt die risikoadjustierte 7-Tagesinzidenz um folgende Korrekturfaktoren adjustiert:

1. Altersstruktur der inzidenten Fälle

Gemäß internationaler Evidenz und österreichischen Beobachtungsdaten beeinflusst die Altersstruktur der inzidenten Fälle sowohl das Verbreitungs- als auch Systemrisiko. Aufgrund der höheren Mobilität weisen jüngere Altersgruppen mehr Kontakte als ältere Altersgruppen auf, wodurch eine junge Altersstruktur das Verbreitungsrisiko erhöht. Andererseits erhöht sich das Risiko von schweren COVID-19 Verläufen und damit einhergehend die Hospitalisierungswahrscheinlichkeit signifikant mit dem Alter. Der Gesamteffekt wird durch die Kombination von Kontakthäufigkeit und Belagstagen ermittelt und für die Adjustierung herangezogen.

2. Impfstatus der inzidenten Fälle

Analog zur Altersstruktur beeinflusst auch der Impfstatus der inzidenten Fälle das Systemrisiko, da vollständig immunisierte Personen deutlich geringere Hospitalisierungsraten aufweisen, auch wenn diese positiv getestet werden. Eine Analyse zur Vakzin-Effektivität von Public Health England zeigt beispielsweise, dass die im Vereinigten Königreich eingesetzten Impfstoffe eine deutlich höhere Wirksamkeit gegenüber einer Hospitalisierung (96 % in Bezug auf die Delta-Variante) als gegenüber einem symptomatischen Verlauf aufweisen (79 % in Bezug auf die Delta-Variante).

Einschätzung des Systemrisikos

Betrachtet werden hier Indikatoren, die dazu geeignet sind, die vorhandenen und benötigten Kapazitäten des Gesundheitssystems (insb. Spitalskapazitäten) abzubilden. Dargestellt wird die Auslastung aller tatsächlich aufgestellten Intensivbetten (ICU-Auslastung) in Österreich (LKF-Stufen 0-3) sowie das Maximum an prognostiziertem Belag auf Intensivstationen in den nächsten 14 Tagen, erarbeitet durch das COVID Prognose Konsortium.

Manual Corona-Kommission

Detaillierte Beschreibungen der Berechnung der Indikatoren und des Vorgehens der Kommission bei der Risikobewertung finden Sie im Manual der Corona-Kommission.

Indikatoren zur Risikoeinstufung

Letzte Aktualisierung: 20.01.2022